Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Projekte in den Förderprogrammen des BMLEH, betreut durch den Projektträger BLE (PT BLE)

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Titel: Auswirkungen einer innovativen Bienenhaltung mit reduzierter Varroamilbenbehandlung auf die Leistungsfähigkeit und Vitalität von Honigbienen in der naturnahen Imkerei
Titel (englisch): Effects of innovative beekeeping with reduced varroa mite treatment on the performance and vitality of honey bees in near-natural beekeeping
Akronym: VITALBIENE
Beschreibung (dt.): Wir wollen mit diesem Forschungsprojekt aufklären, wie sich eine innovative Methode der Honigbienenhaltung auf die Bienenvölker auswirkt und ob es die Arbeitsbienen und Drohnen resilienter gegen Umweltstress macht. Unser Ansatz beruht auf einer mehrwöchigen Brutpause im Spätsommer gefolgt von einer einmaligen Behandlung mit Oxalsäure. Im Gegensatz zur herkömmlichen Bienenhaltung entfernen wir die Drohnenbrut nicht. Als Vergleichsgruppe dienen Bienenvölker, die unter herkömmlichen Methoden gehalten werden. Im Projekt wollen wir die Wirksamkeit der innovativen Haltungsmethode im Hinblick auf die Entwicklung des Bienenvolks, die Leistungsfähigkeit, die Vitalität und Resilienz von Arbeiterinnen und Drohnen gegenüber Umweltstressoren untersuchen. Als Umweltstress, der gleichzeitig auf Arbeiterinnen und Drohnen wirkt, haben wir ein Insektizid ausgewählt. Wir wollen verstehen, ob die innovative Haltungsmethode die Mortalität von Bienen, die Größe der Futtersaftdrüsen bei Arbeiterinnen, die Tanzkommunikation und das Flugverhalten unter Umweltstress positiv beeinflusst. Bei den Drohnen steht die Spermaqualität im Vordergrund. Ein weiterer wichtiger Indikator für die Resilienz von Arbeitsbienen und Drohnen ist ihre Immunabwehr, die wir ebenfalls analysieren wollen. Neben der wissenschaftlichen Analyse der neuen Methode setzen wir einen Schwerpunkt im frühzeitigen Wissenstransfer in die Imkerschaft und wollen mittels eines Imkernetzwerkes die Wirksamkeit und Umsetzbarkeit der innovativen Bienenhaltung in vier Modellregionen von Imkern untersuchen. Das Ziel unseres Projektes ist die nachhaltige Etablierung einer innovativen Bienenhaltung durch die breite Imkerschaft, mit der wir unsere Bienenvölker durch natürliche Selektion zu einer höheren Abwehr der Varroamilbe bringen, ohne dass es zu einer reduzierten Honigproduktion kommt.
Beschreibung (engl.): In this research project, we want to explore how an innovative method of beekeeping affects the vitality and productivity of colonies and whether it makes worker bees and drones more resilient to environmental stress. Our approach is based on an interruption of breeding lasting for several weeks in late summer followed by a single treatment with oxalic acid. In contrast to conventional beekeeping, we will not remove drone brood. Bee colonies that are kept using conventional methods serve as a comparison group. In this project, we want to investigate the effectiveness of the innovative beekeeping method with regard to the development of the bee colony, its performance, the vitality and resilience of workers and drones against environmental stressors. We have selected the neonicotinoid thiacloprid, which is no longer approved in Germany, and a combination of this active ingredient with the azole fungicide tebuconazole as environmental stress that affects workers and drones at the same time. We want to understand whether the innovative beekeeping method has a positive influence on the mortality of bees, the size of the hypopharyngeal glands in female workers, dance communication and flight behavior under environmental stress. When it comes to drones, the focus is on sperm quality and mating success. Another important indicator of the resilience of worker bees and drones is their immune defense, which we also want to analyze. In addition to the scientific analysis of the new method, we focus on the early transfer of knowledge to beekeepers and want to have beekeepers investigate the effectiveness and feasibility of our innovative method in four model regions using a network of beekeepers. The aim of our project is the sustainable establishment of innovative beekeeping by the broad beekeeping community, with which we bring our bee colonies to a higher level of defense against the varroa mite through natural selection, without reducing honey production.
Ergebnis (dt.): Das Projekt Vitalbiene (2021–2025) verglich zwei Varroa-Behandlungskonzepte: ein konventionelles Verfahren (Drohnenbrutentnahme, Ameisensäure im Sommer, Oxalsäure im Winter) und einen innovativen Ansatz (künstliche Brutunterbrechung mit Oxalsäurebehandlung im brutfreien Zustand, keine Drohnenbrutentnahme, Winterbehandlung nur bei erhöhtem Befallsgrad). Am Standort Kirchhain wurden 32 Völker (je 16 pro Gruppe) über drei Jahre untersucht. Der innovative Ansatz führte im Sommer zu höheren Befallsgraden, im Herbst jedoch zu niedrigeren Werten. Gleichzeitig blieben die Honigerträge vergleichbar, während die innovativ behandelten Völker eine höhere Volksstärke vor dem Winter, einen besseren Überwinterungsindex sowie keine Nachteile bei der Drohnenfitness aufwiesen. Am Standort Würzburg wurden über einen Zeitraum von vier Jahren 10 Völker (5 pro Gruppe) hinsichtlich Verhalten, Physiologie und Pathogenbelastung analysiert. Bienen aus innovativ behandelten Völkern begannen früher mit dem Sammeln, lebten kürzer und hatten höhere Juvenilhormonwerte. Auch die Immunfunktion war im Frühjahr bereits beeinträchtigt. Dennoch wiesen diese Völker nach der Sommerbehandlung geringere Pathogenlasten auf als die konventionell behandelten. Zudem sammelten sie Pollen mit höherem Proteingehalt, was auf eine mögliche Kompensationsstrategie hinweist. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der innovative Ansatz trotz höherem Varroa-Druck im Sommer stabile Honigerträge ermöglicht, die Pathogenbelastung reduzieren kann und Mechanismen fördert, die langfristig zur natürlichen Anpassung der Honigbienen beitragen. Damit liefert das Projekt wichtige Impulse für eine nachhaltige Imkerei.
Ergebnis (engl.): The Vitalbiene project (2021–2025) compared two Varroa control approaches: a conventional approach (drone brood removal, formic acid in summer, oxalic acid in winter) and an innovative approach (artificial brood interruption with oxalic acid treatment in the broodless phase, no drone brood removal, and winter treatment only when infestation levels were high).
In Kirchhain, 32 colonies (16 per group) were investigated over three years. The innovative approach led to higher infestation levels in summer but lower values in autumn. Honey yields remained comparable between groups, while innovatively managed colonies showed higher population strength before winter, a better overwintering index, and no disadvantages in drone fitness. In Würzburg, 10 colonies (5 per group) were analyzed over a period of four years with regard to behavior, physiology, and pathogen load. Bees from innovatively managed colonies started foraging earlier, lived shorter and showed higher juvenile hormone levels. Their immune function was already impaired in spring. Nevertheless, after summer treatment, these colonies exhibited lower pathogen loads than conventionally managed ones. Moreover, they collected pollen with higher protein content, which may represent a compensatory strategy. Overall, the results demonstrate that the innovative approach supports stable honey yields, can reduce pathogen loads, and promotes mechanisms that may contribute to the natural adaptation of honey bees, despite higher Varroa pressure in summer. The project thus provides important impulses for sustainable beekeeping.
Laufzeit: Beginn: 15.04.2021 / Ende: 14.04.2025
Ausf. Einrichtung: Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen - Bieneninstitut Kirchhain, Kirchhain
Themenfelder: Tiergesundheit, animal health
Förderprogramme: Bundesprogramm ökologischer Landbau
Schlagworte: Nachhaltigkeit, sustainability, Wissenstransfer / Vernetzung, knowledge transfer, networking, Haltungsverfahren/Haltungstechnik, husbandry techniques, Bienen, bees, Schadstoffe / Toxine, poison / toxins, Parasitologie, parasitology, Ökologischer Landbau, organic farming
Förderkennzeichen: 2819NA108
Dokument zum Download: Praxismerkblatt.pdf (555,8 KB) Abschlussbericht.pdf (3,1 MB)

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